Hauptmenü
Geschichte
Niederschrift aus dem
„Lübecker Generalanzeiger“ vom 3. Juni 1913
Lauenburger Kreiskriegerverbandstag und Fahnenweihe des Militärvereins zu Krummesse
Krummesse, 1. Juni 1913
Das holsteinische Landschaftsbild ist gerade zur Jetztzeit von ganz besonderer Schönheit. Durchzogen von Blüten schweren Knicks dehnen sich die fruchtbaren Felder in dem hügeligen Gelände weit aus. Das Grün der Saaten wetteifert in seiner saftigen Frische mit dem Laub der prachtvollen Buchenwaldungen, die hier und da das Panorama so wirkungsvoll beleben. In einem landschaftlich ganz besonders bevorzugten Teile der meerumschlungenen Provinz liegt Krummesse. Herrlich ist der Vogelsang, ein kleiner Buchenwald direkt an dem durch blumige Wiesen hindurch fließenden Elbe-Trave-Kanal. Nur das Kanalbett trennt den Wald von dem Orte, der im Schmuck seiner Gärten so traulich den Wanderer grüßt. Ein ganz besonders liebliches Bild bot er heute, wo zahlreiche Ehrenpforten die Straßen überspannten und die Hausfassaden unter Birkenlaub und Tannengrün und Fahnen und Flaggen beinahe verschwanden. Krummesse hatte sich würdig gerüstet zum Empfange der vielen Kriegervereine, die heute hier zusammenkamen, um zunächst in gemeinsamer Beratung der ganzen großen Kriegervereinssache zu dienen und dann in fröhlicher Stimmung das Fest der Fahnenweihe und dann in fröhlicher Stimmung das Fest der Fahnenweihe mit feiern zu helfen. Bereits in den Morgenstunden trafen die ersten Vereine im Festorte ein. Meist kamen sie in Buntgeschmückten großen Wagen, zum Teil mit vier Pferden bespannt. Dann standen die Krummesser vor der Tür ihrer Häuser und lustig wurde Rede und Gegenrede getauscht. Man sah es den Dorfbewohnern an, daß sie mit ganzem Herzen an der Feier teilnahmen und allen Gästen ein wirklich aufrichtiges Willkommen darbrachten.
Der Vertretertag der Kriegervereine des Kreisverbandes begann gegen 103/4 Uhr in Dorendorfs Gasthof. Alle dreißig dem Verbande angeschlossenen Vereine waren durch Abgeordnete vertreten. Als Ehrengäste wohnten den Verhandlungen bei der Königliche Landrat Dr. Mathis-Ratzeburg, Major von Lücken, Bezirkskommandeur in Lübeck, die Gemeindevorsteher von Krummesse, lübschen und preußischen Anteils, Pastor Hinsch und Kamerad Siems als Vertreter des Vorstandes des Landeskriegerverbandes Lübeck. Ihnen allen widmete der Vorsitzende des Kreisverbandes Rechnungsrat Possecker-Ratzeburg warme Worte des Willkommens. Er brachte dann ein Hoch auf den Kaiser aus, in das freudig eingestimmt wurde. Die Feststellung der Präsensliste ergab die Anwesenheit von 71 Vertretern.
Dem Geschäftsbericht für das letzte Jahr ist zu entnehmen, daß die 30 Vereine des Verbandes 3023 Mitglieder zählen gegen 2986 ím Jahre vorher. Neu in den Verband aufgenommen ist der Kriegerverein Grünhof-Tesperhude. An Sterbegeldern und Beerdigungskosten wurden von den Vereinen insgesamt 3355 Mark aufgewendet und an Unterstützungen aller Art 3252 Mark. Außerdem wurden aber auch noch aus der Kaiser-Wilhelm-Stiftung des Lauenburgischen Zweigvereins an zehn Kameraden je 20 Mark bewilligt. Der Geschäftsbericht gab zu besonderen Bemerkungen keinen Anlass.
Nach dem vom Kameraden Peters erstatteten Kassenbericht betrugen die Einnahmen einschließlich eines Kassenbestandes von 286,85 Mk. aus dem Jahre 1911 2918,97 Mark. Die Ausgaben beliefen sich auf 2715,99 Mk. , so dass für das neue Jahr 202,98 Mk. vorgetragen werden konnten. Das Gesamtvermögen der Vereine des Verbandes betrug am Ende des Berichtsjahres 47 622 Mk., dazu tritt der Wert des Inventars von zusammen 24 205 Mk. Dem Kassenführer wurde Entlastung erteilt. Der Vorsitzende teilte im Anschluß hieran mit, dass von 13 Vereinen an den Kaiser-Jubiläumsfonds 320,25 Mk. gezahlt worden sind. Es sei sehr zu bedauern, dass nicht alle Vereine sich an diesen Zeichnungen beteiligt haben.
Eine sehr nachahmenswerte Einrichtung wurde darauf von den Vertretern beschlossen. Es handelt sich um die Gründung eines Kriegsfonds der Krieger- und Militärvereine des Kreises mit rückwirkender Kraft bis zum 1. Januar 1913. Nach den en bloc angenommenen Satzungen bezweckt diese Gründung die Schaffung von Mitteln zur Unterstützung der Angehörigen der im Kriegsfalle zu den Fahnen Einberufenen. Nebenzweck des Fonds ist allerdings auch noch die Unterstützung der Veteranen, doch sollen erst dann aus dem Fonds Unterstützungen für Veteranen gewährt werden, wenn der Fonds mindestens 1000 Mk. enthält. Ebenso dürfen für Veteranenunterstützungen nur immer 10 Prozent der vorhandenen Mittel in einem Jahre aufgewendet werden. Der Beitrag für den Fonds beträgt pro Mitglied und Jahr 10 Pfg. In der Debatte über diesen Punkt wurde angeregt, doch anzustreben die Kaiser Wilhelm Stiftung des Lauenburgischen Zweigvereins mit diesem Fonds zu verbinden. Aus der Antwort auf diese Anregung war aber zu ersehen, dass ein solcher Antrag keine Aussicht auf Erfolg hat. Landrat Dr. Mathis verwies auf einen früher schon unternommenen Versuch, die Mittel der Stiftung dem Kriegerverband zur Verwaltung mit zu übergeben. Nach langen Erwägungen wurde damals von Berlin aus das Verlangen gestellt, die Stiftung nach dort in Verwaltung zu geben. Davon sah man aber ab. Im letzten Jahr sind vom Landrat insgesamt 460 Mk. an Unterstützungen bewilligt worden, obgleich nur ein Vermögen von 4847 Mk. vorhanden ist. Der Vertretertag unterließ es daher, in dieser Hinsicht erneut mit Anträgen zu kommen.
Eine ebenfalls längere Debatte verursachte dann der auf dem Abgeordnetentage in Breslau zur Entscheidung kommende Antrag auf Erhöhung des Beitrages für den deutschen Kriegerbund. Heute werden pro Kopf und Jahr 30 Pfg. an diesen Bund abgeführt. In Zukunft soll der Beitrag aber 1,50 Mk. betragen. Der Vertretertag einigte sich dahin, nur eine Erhöhung des Beitrages von 30 auf 60 Pfg. zu empfehlen. Als Vertreter des Verbandes geht Rechnungsrat Possecker nach Breslau.
Vom Kampfgenossen- und Kriegerverein Mölln lag der Antrag vor, zu beschließen, dass Unterstützungsgesuche an den Verwalter der Kaiser-Wilhelm-Stiftung jederzeit gestellt werden können und nicht nur, wie jetzt festgesetzt sei, bis zum 15. November eines jeden Jahres. Der Antrag wurde aber wieder zurückgezogen, nachdem sich der Landrat bereit erklärt hatte, in besonders dringenden Fällen auch später eingehende Unterstützungsgesuche berücksichtigen zu wollen.
Die aus dem Vorstande ausscheidenden Herren Peters, Denker und Grímm wurden wiedergewählt. Die Vorstände-Versammlung im Herbst wird in Mölln, der nächstjährige Vertretertag in Breitenfelde stattfinden. Für 1914 wurde bereits von Friedrichsruh eingeladen, um mit dieser Feier zusammen auch den 100. Geburtstag Bismarcks festlich begehen zu können. Aus den Mitteilungen am Schluss der Tagesordnung ist noch hervorzuheben, dass aus Anlass der Düppelfeier im nächsten Jahre von Sonderburg geplant ist, die Veteranen von 1864 besonders würdig zu empfangen. Die Kriegervereine werden gebeten, zu diesem Zweck Mittel zu bewilligen. Der Vorsitzende legte es den Vereinen dringend ans Herz, diesen Aufruf zu beherzigen und Mittel bereit zu stellen.
An die Verhandlungen schloss sich im selben Lokal ein Festmahl an, das fröhlich verlief. Im Laufe des Mittags trafen dann noch immer mehr Gäste in dem hübschen Orte ein, u.a. auch eine Reihe von Kriegervereinen aus Lübeck bzw. Lübschen Enklaven. So waren anwesend der Marineverein, der Gardeverein, der Kameradschaftsbund der 76er und 162er, der Verein ehemaliger China- und Afrikakrieger, der Verein der 85er, der 86er und der 31er, die Vereine aus Behlendorf, Nusse und Moisling, sowie der Unteroffiziers-Verein vom 2. Bataillon unseres Regiments.
Das Fest der Fahnenweihe
in Krummesse, 1. Juni 1913
begann nachmittags drei Uhr. An der festlich geschmückten Friedenseiche versammelten sich die Vereine, um im gemeinsamen Zuge mit wehenden Fahnen zu der ziemlich im Dorfeingange gelegenen großen Festwiese zu marschieren. Wir zählten insgesamt 21 Banner. Die zu weihende Fahne wurde in feierlichem Zuge von Ehrenjungfrauen zur Tribüne gebracht. Zwölf junge Damen, geschmückt mit Schärpen in den deutschen Farben, trugen die Fahne, während rechts und links je acht weitere Ehrenjungfrauen mit Schärpen in den preußischen bzw. lübschen Farben marschierten.
Ein Choral leitete die Feier in würdiger Weise ein. Sodann sprach eine junge Dame einen Prolog, in dem versichert wurde, dass auch die Frauen und Jungfrauen an einem solchen Feste mit ganzem Herzen teilnehmen. Die Weiherede hielt Landrat Dr. Mathis. Er wusste die Herzen der Zuhörer zu packen, indem er ein Bild der gegenwärtigen Lage zeichnete und dann auf die hohen Aufgaben der Kriegervereine hinwies. Er feierte die Tugenden des deutschen Soldaten und gab der Überzeugung Ausdruck, dass alle die, die sich unter der neuen Fahne versammeln werden, auch getreu ihrem Motto Gehorsam, Tapferkeit, jederzeit mit Gut und Blut zu dem Kaiser und dem Vaterlande stehen werden. Begeistert wurde in das Hoch auf den Kaiser eingestimmt. Die Musik intonierte die Kaiserhymne, in die alle Anwesenden laut einstimmten. Als hierauf die neue Fahne enthüllt war, übergab sie der Landrat dem Vereinsvorsitzenden, Kameraden Schütt, der namens seines Vereins nochmals Treue gelobte und versprach, die Fahne stets in Ehren zu halten. Er übergab das Banner dann dem Fahnenträger Dorendorf, der von einer jungen Dame mit einem Fahnenschilde geschmückt wurde, während eine andere Dame die Fahne mit einem kostbaren Fahnenbande zierte. Fahnennägel überreichten dann noch der Vorsitzende des Verbandes im Namen des Vorstandes des Kreiskriegerverbandes und einen zweiten für den Kriegerverein in Ratzeburg, der Kameradschaftsbund der 76er und 162er, der Gardeverein Lübeck, der Kampfgenossenverein von Mölln und die Vereine Berkenthin, Tüschenbek und Nusse.
Der Vorsitzende dankte für alle diese Zeichen freundlichen Gedenkens und brachte in markigen Worten ein Hoch auf das deutsche Vaterland aus. Die Versammlung sang das Lied:“ Deutschland, Deutschland über alles.“ Es folgte nunmehr ein Festmarsch durch den Ort und dann begann als Abschluß des Tages auf dem Festplatze wie auch in den Sälen des Ortes ein fröhliches Tänzchen.
Auf der Heimfahrt der Lübecker Gäste ereignete sich leider ein Unglücksfall. Einem Wagen brach die Achse, wodurch zwei Damen auf die Straße geschleudert wurden und Verletzungen erlitten, die leider die Hinzuziehung eines Arztes notwendig machten.
Die neue Fahne des Krummesser Vereins stammt aus der Mündener Fahnenfabrik (Vertreter Ad. Klüßmann=Lübeck). Sie trägt das Lübecker und Lauenburger Wappen, den preußischen Adler und die Germania. Die eine Seite ist in den deutschen Farben gehalten, die andere ist cremefarben.
hier klicken:
Fahne der Kyffhäuser Kameradschaft Krummesse
Niederschrift aus dem
„Ratzeburger Anzeiger“ vom 7. Juni 1913
Aus Kreis und Provinz, Krummesse, 6. Juni 1913
Als eine Lübecker Gesellschaft, die dem Feste der Fahnenweihe des hiesigen Militärvereins beigewohnt hatte, nach Lübeck zurückkehren wollte, brach plötzlich die Achse des Wagens und alle vier Insassen stürzten auf das Pflaster. Ein Feldwebel brach sich zwei Rippen und ein Schlüsselbein, die Frau eines Schutzmanns verletzte sich sehr schwer am Kopfe, eine andere Frau brach sich ein Bein zweimal und ein Schlüsselbein. Nur der Schutzmann kam mit geringeren Verletzungen davon. Die Verunglückten wurden auf einem anderen Wagen nach Hause transportiert.